Renaissance-Kachelofen

Renaissance-Kachelofen

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Renaissance-Kachelofen
Das Highlight im Jagdzimmer.

Wenn wir an wohlige Wärme in der guten Stube denken, haben viele von uns das Bild eines KACHELOFENS vor Augen. Genau so einer steht auch im Jagdzimmer der HERZOGLICHEN FESTRÄUME. Wohlige Wärme strahlt dieser aber leider nicht mehr aus, da er nur mehr als dekoratives Raumelement dient und somit nicht beheizt werden kann. Geheizt wird mit Fernwärme über Heizkörper, die, optisch verträglich, von Holztäfelungen verdeckt sind.

Der kupfergrüne und antimongelbe Kachelofen stammt aus den 1620ern – eine Zeit, in der GRAF MEGGAU der Besitzer der Greinburg war. Der dreiteilige Aufbau von Feuerkasten, Turm und Bekrönung wird von Kacheln geziert und von Friesen und Gesimsen gegliedert.

Die gelben Kreise der großen BLATTKACHELN sehen wie die Sonne oder wie Sonnenblumen aus. Die Trumfriese sind besonders schön gearbeitet, denn hier sind Putti zu erkennen, aus deren Füllhörnern allerlei Rankenwerk hervorsprießt. Prächtige Löwenköpfe rahmen die Friese auf allen Seiten.

Der krönende Abschluss wird von einer Reihe von Figuren mit Medaillons und Schildern gebildet, welche die „NOMINA SACRA“ IHS und MRA tragen.

Kachelöfen wie dieser zählten Jahrhunderte lang zum beherrschenden Element in heizbaren Räumen und erfuhren während dieser Zeit große optische Veränderungen. Erst im 14. Jahrhundert entwickelte sich der vollausgebildete Kachelofen, der mit farbig glasierten und plastisch ausgebildeten Kacheln schnell zum OBJEKT KÜNSTLERISCHER GESTALTUNG wurde. Beliebte Motive sind profane Darstellungen des höfischen Lebens, religiöse Motive, Fabelwesen und Wappen. Ähnliches kann man auch bei unserem Ofen erkennen.

Die Öfen, welche in den darauffolgenden Epochen des Barock und Rokoko entstanden, erfuhren eine große optische Veränderung und fügten sich somit der restlichen Innenausstattung ein. In den Herzoglichen Festräumen lässt sich diese Wandlung wunderbar mit weiteren Öfen in den folgenden Räumen nachvollziehen.

Wer intensiver in die Welt der Kachelöfen und der weiteren Kunstausstattung der Greinburg eintauchen möchte, sollte sich die EXPERTENFÜHRUNG „Vom Teppich bis zum Kronleuchter“ – nicht entgehen lassen. Die Termine finden Sie hier.

 

Jänner 2026

Krippenspiel und Paradiesspiel

Krippenspiel und Paradiesspiel

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Krippenspiel und Paradiesspiel
Religiöse Predigtspiele und Inszenierungen.

Dass es neben dem beliebten Krippenspiel auch ein Paradiesspiel gibt, wissen die Wenigsten. Doch bereits im gesamten MITTELALTER finden sich die verschiedensten Formen der Veranschaulichung, also des persönlichen Nach- und Miterlebens, religiöser Festinhalte.

Das KRIPPENSPIEL wurde von Franz von Assisi 1223 in Italien so inszeniert, dass heutzutage viele behaupten, er habe es erfunden. Dabei wollte er lediglich dem einfachen Volk die Erzählung der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium anschaulich präsentieren. Man darf nicht vergessen, dass zu jenen Zeiten die Messen noch auf Latein gehalten wurden und die meisten Menschen nicht Lesen und Schreiben konnten. Eine szenische Inszenierung war leichter verständlich – Franz von Assisi soll dafür sogar lebende Ochsen und Esel verwendet haben. Auch heute noch werden Krippenspiele traditionell zur Weihnachtszeit aufgeführt.

Das PARADIESSPIEL ist hingegen heutzutage weniger bekannt. Diese Inszenierung beinhaltet unter anderem den Sündenfall Adam und Evas, welche die Voraussetzung für die Geburt Christi mit dessen Erlösungswerk und Kreuzestod ist, als Erlösung der Erbsünde. Das erste schriftlich belegte Paradiesspiel im deutschen Raum soll 1194 in Regensburg stattgefunden haben.

Da der Gedenktag von Adam und Eva der 24. Dezember ist und zwischen Weihnachten und Dreikönigsfest die 12 HEILIGEN NÄCHTE liegen, wird das Paradiesspiel bevorzugt zu dieser Zeit aufgeführt. Da es aber im europäischen Winter zu dieser Zeit keine Apfelbäume mit Blättern und Äpfel gab, wurden immergrüne Nadelbäume mit Äpfeln behängt. Dies ist vermutlich die Geburtsstunde unserer heutigen Christbäume mit den roten Christbaumkugeln.

Religiöse Predigtspiele und Inszenierungen wurden im Hochmittelalter noch in und vor Kirchen abgehalten – im Spätmittelalter jedoch, verlagerten sie sich vermehrt in den breiteren öffentlichen Raum und wurden auch bei Umzügen aufgeführt.

 

Dezember 2025

Die 40 Martinstage

Die 40 Martinstage

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Die 40 Martinstage
Vom Fest des Hl. Martin zur heutigen Adventszeit.

Wenn wir heute an die Vorweihnachtszeit denken, haben wir den ADVENT im Kopf. Vier Wochen geprägt von Kerzenschein, Christkindlmärkten und dem Duft von Keksen und Glühwein. In früheren Jahrhunderten jedoch, begann die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten nicht erst mit dem ersten Adventsonntag, sondern schon viel früher – nämlich mit den 40 MARTINSTAGEN.

Im MITTELALTER begann am 11. November, dem Festtag des Hl. Martin von Tours, die sogenannte „QUADRAGESIMA SANCTI MARTINI“ – eine 40-tägige Fastenzeit. Diese sollte die Gläubigen innerlich reinigen und auf die Geburt Christi vorbereiten. Am 25. Dezember endete die Fastenzeit, woraus sich die 40 Tage ergeben.

Wie so oft im Mittelalter war diese Zeit geprägt von Gegensätzen. Vor dem Beginn der strengen Fastenzeit wurde am Martinstag noch einmal kräftig gefeiert – mit Gans, Wein und süßem Gebäck. Danach folgte die stille und nüchterne Phase des Fastens, welche mit einem Festmahl an Christi Geburt endete.

Im Laufe der Jahrhunderte verkürzte sich die Vorweihnachtszeit von den ursprünglich 40 Martinstagen zu dem uns heute bekannten ADVENT. Nach und nach verlor sich der strenge Fastencharakter und gewann stattdessen immer mehr festliche Elemente.

Wenn wir heute den Advent erleben, ahnen wir kaum noch, dass er einst eine längere Fastenzeit war. Doch der Gedanke sich bewusst einzustimmen, Ballast abzuwerfen und dem Wesentlichen Raum geben, ist zeitlos. Vielleicht liegt darin eine Inspiration für unsere Gegenwart: Inmitten von Lichterglanz und Geschenketrubel, die stillen Wurzeln dieser Wochen nicht vergessen.

November 2025

Wenn es dunkel ist…

Wenn es dunkel ist…

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Wenn es dunkel ist…
Zur Geisterstunde allein auf Schloss Greinburg.

Die Tage werden kürzer, die Nächte werden langsam kälter und auf Schloss Greinburg kehrt nach einer ereignisreichen Saison schön langsam Ruhe ein. In einen Winterschlaf verfällt das Gebäude aber schon lange nicht mehr. Auch im Spätherbst und Winter finden regelmäßig Führungen statt.

Richtig ruhig wird es erst, wenn alle Mitarbeiter in den Feierabend gegangen sind. Wenn alle Lichter ausgegangen sind und die Türen versperrt werden. Wenn die DUNKELHEIT schön langsam über das Gebäude fällt, die Räume verdüstert und den Hof in FINSTERNIS taucht.

Stockdunkel ist es dann, wenn man im Arkadenhof steht, denn kein Straßenlicht erhellt ihn. Man hört nur das laute Plätschern des Springbrunnens. Nur? – Oder hört man doch mehr? Das Plätschern schlägt sich in den Gängen des Hofs an den Wänden wieder, dass man glauben könnte Stimmen zu hören. Wie ein leises Gemurmel in einer anderen Sprache – ganz weit weg. Oft wendet man sich um und schaut, ob man nicht aus Versehen einige Besucher übersehen hat.

Sitzt man in bestimmten Räumen, so glaubt man Schritte über sich zu hören. Schwere, träge Schritte, die kommen und gehen. Hoffentlich ist es nur das Holz, dass da über unseren Köpfen arbeitet.

Es gibt aber manchmal auch unerklärliche Geräusche, wie das Spielen von Klaviertasten oder das Knattern einer einfahrenden Kutsche. Was oder wer der Verursacher ist, muss man gar nicht herausfinden. Ein über 500 Jahre altes Gebäude ohne unheimliche Geräusche wäre sicher ein langweiliges Gemäuer.

Für alle Kinder, die die Greinburg in völliger Dunkelheit und nur mit einer Taschenlampe bewaffnet erleben möchten, bieten wir im Oktober Taschenlampenführungen an. 

Oktober 2025

Historischer Tanz

Historischer Tanz

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Historischer Tanz
Eleganz und Etikette am Hof.

Passend zu der Veranstaltung „HISTORISCHER TANZWORKSHOP“ am 14. September 2025 widmen wir diesen Blogartikel dem Historischen Tanz der Renaissance und des Barocks.

Der Tanz war zu dieser Zeit ein integraler Bestandteil der damaligen Kultur und diente dem Vergnügen, der Unterhaltung und der Repräsentation. Aber auch die Brautwerbung konnte auf der Tanzfläche stattfinden. In der Renaissance und im Barock gab es nämlich noch sehr strenge Regeln für das Zusammentreffen beider Geschlechter. Der Tanz war einer der wenigen Gelegenheiten, wo sich unverheiratete Paare unterhalten, flirten und sogar berühren konnten. Aber auch hier durfte man die Etikette nicht vergessen! Zwei Tänze mit dem gleichen Partner signalisierten besonderes Interesse – mehr als zwei Tänze mit dem gleichen Partner galten bereits als unschicklich.

Private und öffentliche Bälle waren gleichsam beliebt – der Vorteil bei privaten Bällen bestand darin, dass man sich die Gäste aussuchen konnte. Somit kam man nicht in Verlegenheit mit Personen eines niedrigeren Standes zusammenzutreffen. Gemeinsam tanzen durfte man sowieso nur, wenn man einander bereits vorgestellt wurde.

In der Renaissance wurden Tanzschritte erstmals aufgezeichnet und konnten somit einem breiteren Publikum vermittelt werden. Es entstand auch ein neuer Berufsstand – der TANZMEISTER. Vor allem in den Adelskreisen gehörte der Tanz zur Ausbildung junger Damen und Herren. Umso anmutiger man sich beim Tanzen bewegte, desto gefragter war man als Tanzpartner.

Aus der französischen Renaissance (ab 1500) sind der Branle, die Pavance und die Gaillarde bekannt. Im Barock (ab 1600) geht es dann schon etwas leidenschaftlicher zu – vor allem bei der Allemande, bei der die Arme immer wieder – in der damaligen Auffassung – „erotisch“ verschlungen wurden. Auch die Courante, die Sarabande, die Gique und die Bourée waren im Barock besonders beliebt.

All diese Tänze werden zwar mit einem Partner getanzt, gehören aber zu den Gesellschaftstänzen, bei denen oft im Reigen getanzt wird. Enger Körperkontakt war strengstens verboten – der uns heute bekannte Walzer, der im 18. Jahrhundert entstand – war daher anfangs als unmoralisch und skandalös verpönt.

Der „HISTORISCHE TANZWORKSHOP“ lässt alle Interessierten in die Lebenswelt der Renaissance- und Barockzeit eintauchen und vermittelt durch praktische Übungen und tänzerische Einheiten einen dynamischen Zugang zur Geschichte. 

September 2025

Tafeln wie der Herzog

Tafeln wie der Herzog

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Tafeln wie der Herzog
Ein Porzellanservice der KPM.

Die gedeckte Tafel im Speisezimmer von Schloss Greinburg stellt das Porzellanservice von Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884-1954) zur Schau, welches er anlässlich seiner Hochzeit 1905 geschenkt bekam. 250 Sets sollen es insgesamt sein – komplett mit Suppentellern, Esstellern, Knochentellern…

Herzog Carl Eduard war ein Enkel der Queen Victoria von Großbritannien und der Urgroßvater des heutigen Besitzers der Greinburg.

Das Porzellanservice stammt aus der KÖNIGLICHEN PORZELLANMANUFAKTUR BERLIN (KPM), die auch heute noch in Betrieb ist. Eine zeitlose Blumenmalerei ziert die Teller mit verschiedenen bunten Arrangements. Jeder Teller ist handbemalt und somit ein Unikat. Die Rückseiten der Teller sind mit der Zeptermarke der Manufaktur versehen und somit eindeutig datier- und zuordenbar. Die sechsfach eingezogenen Goldränder der Teller umrahmen die Stücke und geben dem Service eine besonders feierliche Note.

Die höfische Tafel war einst ein Ort perfekter Inszenierungen. Das kostbare Porzellan und die einst so aufwendige Tischdekoration lieferten den Rahmen für große Politik. Das uns heute geläufige Tafelgedeck mit mehrteiligem Besteck hat eine relativ junge Geschichte, denn auch bei Hof aß man lange Zeit mit den Fingern.

Erst seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gibt es Aufträge für die Fertigung von einheitlichem Service an europäischen Höfen. Diese bestanden zu dieser Zeit noch aus Gold, Silber oder Zinn. Erst seit dem 18. Jahrhundert wurden sie aus Porzellan hergestellt. Die erste europäische Porzellanmanufaktur entstand 1710 in Meißen – davor musste man das Porzellan aus China importieren.

Die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin wurde hingegen 1763 von Friedrich dem Großen gegründet. Er war es auch, der der Manufaktur seinen heutigen Namen und sein Zeichen – das königliche Zepter – gab.

Bei der EXPERTENFÜHRUNG „Vom Teppich bis zum Kronleuchter“ können Sie dieses Service näher betrachten und mehr über die Geschichte des Porzellans erfahren.

August 2025